Meine Großmutter war Krankenschwester in einem Dorf in der Ukraine. Sie hat dort alles gemacht: von der Geburt bis zur Frakturversorgung. Als kleines Kind war ich im Sommer immer bei ihr – aber nie mit im Krankenhaus, ich hatte Angst vor Blut. Trotzdem hat meine Oma gesagt: „Du wirst mal Ärztin.“ Nach dem Abitur hat sich das dann tatsächlich ergeben: Ich bin damals einfach mit einer Freundin, die zum zweiten Mal zur Aufnahmeprüfung an der Medizinischen Hochschule Odessa wollte, mitgegangen, weil die Themen meine Lieblingsfächer waren – Physik, Biologie. Ich habe die Prüfung mit 1 bestanden, war drin, nur meine Freundin immer noch nicht.

Nach dem Studium habe ich zwei Jahre in einem der besten Krankenhäuser in Odessa gearbeitet, in der Inneren Medizin. Anfang der 90er kam ich dann nach Deutschland. Zu einer Zeit, als zehn Ärzte um eine Stelle gekämpft haben. Und ich konnte noch nicht einmal Deutsch. Also habe ich zuerst in der Gastronomie gejobbt, um die Sprache zu lernen. Schließlich bin ich einfach in eines der Krankenhäuser – damals in Ostfriesland – spaziert und habe gefragt, wo ich anfangen kann. Aber es gab absolut keine Stellen. Darum sagte ich dem Chefinternisten: „Ich muss mich hier in Deutschland beweisen und ich möchte und werde auch umsonst bei Ihnen in der Klinik arbeiten.“ Das habe ich dann ein Jahr lang getan, um überhaupt mitreden zu können. Als ich die Stelle dann ganz offiziell bekam, war ich so stolz und euphorisch. Hier, in der westlichen Welt, als Ärztin aufgenommen zu werden, und später die Geburt meines Kindes – das sind die zwei schönsten Ereignisse meines Lebens.

 

Ich habe sehr gerne in der Endoskopie und Gastroenterologie im Krankenhaus in Ostfriesland aktiv mitgewirkt. Habe auf der Intensivstation und Stroke Unit gearbeitet und gerne auch Diabetesschulungen unter anderem für ukrainisch- und russischsprachige Seeleute durchgeführt. Ich habe Dialyse-, Hämofiltration-, Anästhesie-, Beatmungs- und Narkose-Techniken in OP und ITS erlernt, Transplantationsprozedere initiiert und mitgemacht. Aber ich wusste im Leben nicht, was der MDK ist. Unser Chefarzt hat uns mit Schreibkram verschont und die Begutachtungen durch den MDK immer allein abgearbeitet.
Später kam ich durch meine Familie nach Magdeburg. Unser Sohn war gerade erst geboren, aber ich wollte schon gleich arbeiten und bin sofort wieder in eines der Krankenhäuser hier spaziert. Der Chefarzt dort meinte nur: „Lassen Sie sich Zeit, mit drei Monaten ist man noch keine Mutter.“ Ich sollte mich ein paar Monate später wieder melden und dann – wurde ich plötzlich wirklich Mutter und dachte: „Jetzt zurück ins Krankenhaus? Nein.“
Jeder Lebensabschnitt hat seine Schwerpunkte. Früher war ich als Ärztin mit dem Krankenhaus verheiratet. Jetzt hatte mich mein Mutterinstinkt eingeholt und meine Menschlichkeit und Fürsorge haben sich hauptsächlich auf die Familie fokussiert.
Und dann schlage ich die Magdeburger Tageszeitung auf und sehe eine große Anzeige: MDK sucht Fachärzte für Innere Medizin unter anderem für Krankenhaus-Begutachtungen. Ich dachte nur: „Ich kenne den MDK nicht, aber ich kenne mich im Krankenhausbereich aus.“ Mein Lebensmotto habe ich im Vorstellungsgespräch gleich formuliert: Ich mache nur das, was ich kann und was mir Spaß macht. Unter der Bedingung, dass ich im Krankenhaussektor eingesetzt werde, kam ich dann hier an.

 

Der MDK ist für mich ein sehr wertvoller Arbeitgeber. Aber auch für alle Kollegen, die klinische und persönliche Lebenserfahrungen haben. Es gibt hier eine sehr breite Palette, sich als Arzt und als Persönlichkeit sehr anspruchsvoll zu betätigen. Beispielsweise in der Abteilung „Neue Behandlungsmethoden“, die den Nutzen neuer Medikamente und Verfahren für den Patienten bewertet. Meine Aufgaben sind vielfältig und ich kann mir meine Arbeit selbst strukturieren.

Hinzu kommt: Früher im Krankenhaus war an Familie nicht zu denken. Meinem Arbeitgeber MDK bin ich sehr dankbar, dass ich mein Kind so erziehen und begleiten konnte, wie ich es gerne wollte. Wir haben flexible Arbeitszeiten, ohne Dienste am Wochenende oder an Feiertagen. Diese Familienfreundlichkeit, die schon zum dritten Mal zertifiziert ist – etwas Besseres hätte mir persönlich nicht passieren können. Ich habe als Ärztin immer noch meine medizinischen Aufgaben, die im Gesetzbuch verankert sind. Aber ich bin auch Frau und Familienmensch, also habe ich diese neuen Freiheiten, die der MDK bietet, für mich wahrgenommen. Hier kann ich beides gut vereinbaren – berufliche Erfüllung meines Daseins als Arzt und Lebensqualität. Kurzum: Der MDK ist ein wertvoller Arbeitgeber für selbstbewusste Fachärzte mit Lebensfreude und Familie.

 

Ich arbeite als Gutachterin im Krankenhausbereich. An zwei Tagen in der Woche bin ich vor Ort in Kliniken in ganz Sachsen-Anhalt und führe dort stationäre Begutachtungen durch. Dabei begleitet mich meistens eine Kodierassistentin, die mich bei der schriftlichen Erfassung unterstützt. Die Krankenfälle bespreche ich dann entweder direkt mit dem Behandler, dem Chef- oder Oberarzt, dem dortigen Kodier-Beauftragten oder auch in einer größeren Konferenz.

An den anderen Tagen bearbeite ich in meinem Büro in Magdeburg weitere Fallakten oder verfasse Gutachten für das Sozialgericht. Bei den Terminen dort ist es dann meine Aufgabe medizinische Abläufe und Ausdrücke verständlich zu erläutern. Freitags kann ich die Aufträge gelegentlich auch von zuhause bearbeiten.

Die Fragestellungen in den Aufträgen sind zwar immer ähnlich: „Bestand die Notwendigkeit der vollstationären Krankenhausbehandlung nach §39 SGB V für die gesamte Dauer?“, „Ist die Hauptdiagnose korrekt?“, „Sind die Zusatzentgelte korrekt?“ Aber die Krankenfälle, Krankheits- und Behandlungsverläufe dahinter sind vielfältig und erfordern unterschiedlich viel Begutachtungsaufwand, sodass mein Job für mich kein Routine-Job ist.

 

Meine Aufgabe ist zu prüfen, ob die Deutschen Kodierrichtlinien bei der Kodierung der Behandlungsdiagnosen korrekt umgesetzt worden sind. Diese Richtlinien geben vor, wie Diagnosen und Eingriffe verschlüsselt und schließlich abgerechnet werden.

Das Krankenhaus kodiert alle behandlungsrelevanten Diagnosen und Prozeduren und stellt der Krankenversicherung des Patienten eine daraus resultierende Pauschale über seine Behandlung in Rechnung. Wenn die Krankenversicherung diese Kodierung nicht nachvollziehen kann, weil zum Beispiel die kodierte Diagnose den ihr bekannten Patientendaten widerspricht – dann wird der MDK mit der Überprüfung der Kodierung des Krankenfalls beauftragt. Zumal aufseiten der Krankenversicherung in der Regel ein Sachbearbeiter ohne medizinisches Verständnis sitzt.
Das heißt, wir prüfen nicht die Rechnung, sondern beantworten die medizinische Fragestellung: Ob die kodierte Diagnose korrekt im Sinne der Kodierrichtlinie ist, ob der stationäre Eingriff im Sinne der nationalen Leitlinie erfolgte und ob die vollstationäre medizinische Behandlung im Krankenhaus täglich effizient war. Die Krankenversicherung bewertet die Zahlen, wir bewerten – im Auftrag der Krankenkasse – nur die medizinischen Tatsachen, und nur im Sinne der Kodierrichtlinie.

Die Kodierrichtlinien sind wie ein Fahrplan, der einem zeigt, wie man zum Beispiel von Magdeburg nach Hamburg kommt. Man kann auch über München fahren, klar. Ich bin, als MDK-Gutachterin, diejenige, die die direkte Route sucht, die weniger Zeit und Aufwand kostet. Das ist meine Aufgabe: Nach Hamburg nicht über München fahren lassen.

 

Ja, ich sehe unsere Funktion als Ampel. Wir schalten auf Rot, wenn eine kodierte Diagnose medizinisch oder sachlich nicht begründet ist oder die Kodierung des Krankenhauses nicht den Richtlinien entspricht. Zum Beispiel muss ein Patient, der innerhalb weniger Stunden behandelt werden kann, nicht drei Tage im Krankenhaus liegen, wenn es medizinisch nicht begründet ist und sich die Abläufe effizienter gestalten lassen.

Damit sorgen wir dafür, dass die Ressourcen im Gesundheitswesen effizient verteilt werden. Das dient nicht nur dem einzelnen Patienten, denn es sind die Ressourcen aller GKV-Versicherten, sondern der gesamten Solidargemeinschaft. Und die einzelnen Krankenhäuser greifen unsere Hinweise und Korrekturen durchaus gern auf und optimieren ihre Strukturen und Abläufe daraufhin.
Wann und wie wir als MDK eingeschaltet werden, ist gesetzlich geregelt im Sozialgesetzbuch 5, Paragraph 275. Dort sind auch unsere Aufgaben als Gutachter verankert. Als wichtigster Punkt steht dort: „Die Ärzte des Medizinischen Dienstes sind bei der Wahrnehmung ihrer medizinischen Aufgaben nur ihrem ärztlichen Gewissen unterworfen. Sie sind nicht berechtigt, in die ärztliche Behandlung einzugreifen.“ Wir sind Mediziner und wir bewerten medizinisch und beantworten nur medizinische Fragestellungen.

 

Viele Häuser arbeiten sehr gern mit uns, sind kommunikativ und schätzen uns als fachlich unabhängigen medizinischen Dienst. In den Häusern, die ich begehe, funktioniert ein fachlich gutes und respektvolles Miteinander und eine konsentierte Änderung der Kodierung, immer im Sinne der Kodierrichtlinie. Aber es gibt sicher auch Kliniken, die uns weniger gut empfangen.

Ein guter Tag ist für mich ein Tag, an dem ich mit Kollegen kommunizieren kann, ein Tag, an dem sachlich diskutiert wird. Oder auch, wenn ich einen Kodierfehler gemacht und daraus gelernt habe. Man kann nicht alles wissen – man findet die Wahrheit immer im Dialog, in der Diskussion. Denn: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Auch mit Kollegen im Krankenhaus oder unter uns Internisten hier beim MDK: Wir diskutieren hier manchmal über Diagnosen und Kodierungen, dass die Fetzen fliegen. Ein Tag der neuen Erkenntnisse ist dann ein guter, ein erfüllter Tag.

 

Ein Arzt hört nie auf Arzt zu sein. Selbst, wenn ich den direkten Kontakt mit den Patienten nicht mehr habe – Arzt sein ist ein Lebensstil. Ich bin immer noch als ein Akteur im Gesundheitswesen präsent. Nur, dass ich jetzt anders mitwirke. Zum Beispiel werden durch meine Arbeit die Ressourcen im GKV-Bereich für eine gerechte und gesetzeskonforme Patientenversorgung effizient eingesetzt. Viele meiner Kollegen beim MDK praktizieren auch weiter als Arzt, fahren als Notarzt im Rettungswagen mit oder bieten Notfall-MVZ-Sprechstunden an. Diese Möglichkeiten bietet uns unser Arbeitgeber auch.

Mir fehlt die klinische Tätigkeit am Patientenbett nicht, weil ich nun eine andere anspruchsvolle Aufgabe habe. Ich arbeite jetzt viel mehr mit Leitlinien, Gesetzen, Studien, Statistiken, mit der ICD-10-Systematik. Ich versuche Krankheitsverläufe individuell, aber immer leitlinien- und gesetzeskonform abzubilden.
Und diese Arbeit erfüllt mich. Auch weil ich täglich dazu lerne. An zertifizierten Fortbildungen nehme ich ohnehin regelmäßig teil. Jeder Arzt und damit auch jeder MDK-Gutachter ist schließlich gesetzlich verpflichtet sich fortzubilden. Darüber hinaus gibt es natürlich mehr Veranstaltungen, die mich brennend interessieren. Ich kommuniziere auch privat mit ehemaligen Kollegen aus dem Krankenhausbereich in Ostfriesland, in Bayern und Sachsen. Auch die neuen technischen Entwicklungen in der klinischen Praxis bleiben uns MDK-Ärzten nicht verborgen. Wir bleiben immer auf dem Level, auf dem wir vor Ort im Krankenhaus mitreden können.

 

MDK-Gutachter zu sein ist eine verantwortungsvolle Aufgabe: Wir brauchen Mediziner mit umfangreicher klinischer Erfahrung. Meine Kollegen beim MDK sind alle Fachärzte, die langjährig im Krankenhaus oder in eigener Praxis tätig waren. Dieses praktische Wissen muss man aber auch im Sinne der Kodierrichtlinien und der Gesetzgebung bewerten können und dabei die Effizienz im Blick behalten. Für den Austausch mit den Krankenkassen und den Klinken braucht man Empathie, muss gerne kommunizieren und selbstbewusst auftreten. Vor allem muss man wissbegierig sein, denn die Medizin bleibt nicht stehen. Man muss auch die Fortschritte im Blick behalten und bewerten können.

 

Bewerberkontakt

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MDK Sachsen-Anhalt e. V.
Fachbereich Personal/Recht/Kommunikation
Postfach 36 46
39011 Magdeburg

0391 5661-3320

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