Ich wollte einen Beruf im medizinischen Bereich und in dem man etwas mit Menschen zu tun hat. So bin ich zur Pflege gekommen. Gelernt habe ich die Gesundheits- und Krankenpflege am Städtischen Klinikum Dessau. Dort arbeitete ich auf der Station der Augenklinik, der Neurologie und der Chirurgie. Im Klinikum habe ich schon Extra-Aufgaben übernommen, mich um die Geräte gekümmert, die Auszubildenden angelernt und war im Personalrat tätig.

Anfang 2016 habe ich ein Fernstudium zum Bachelor of Arts „Gesundheitsökonomie“ begonnen. Ich wollte beruflich mehr erreichen, die Abläufe und Zusammenhänge im Gesamtgefüge besser verstehen. Mir persönlich fehlte bei der Pflege im Klinikum das Drumherum, wollte gezielter arbeiten und mich selbst aktiv einbringen und gern bei der Thematik Pflege bleiben.

Wie bei der vorherigen Frage schon angedeutet, wollte ich gern etwas Neues machen, was die Pflegethematik berührt, aber ein bisschen darüber hinausgeht. Den MDK kannte ich bereits durch meinen Beruf, die Tätigkeiten des Pflegegutachters durch „Hörensagen“. Dann habe ich mich ein bisschen im Internet belesen, was die genauen Tätigkeiten und Anforderungen sowie die äußeren Umstände des Berufes sind. Eine ganz wesentliche Voraussetzung ist z.B. die fünf jährige Berufserfahrung in der praktischen Pflege. Beim MDK waren gerade keine Stellen ausgeschrieben, aber man konnte sich initiativ bewerben. Das habe ich gemacht. Dann hatte ich trotzdem ein Bewerbungsgespräch. Nachdem dies gut gelaufen ist, durfte ich Hospitieren, um einen Einblick in die tägliche Arbeit eines Pflegegutachters zu erhalten. Die erstellten Gutachten, wurden im Anschluss besprochen. Nachdem ich die Anforderungen erfüllt hatte und nach der Hospitation immer noch wusste, dass es das Richtige für mich ist, beim MDK meine berufliche Laufbahn fortzusetzen, habe ich schließlich den Arbeitsvertrag unterschrieben.

Als ich beim MDK anfing, wollte ich nicht mehr die reine Pflege ausüben, sondern in einem größeren Kontext mit Bezug zur Pflegethematik arbeiten. Das habe ich in der Beratungsfunktion gefunden, die ich sehr mag, weil ich diese Dankbarkeit spüre. Wenn man mit der Pflege von Angehörigen anfängt, sind viele Dinge erst einmal unbekannt. Es passiert oft unerwartet, dass Angehörige Pflege brauchen. Dann sind sie dankbar, wenn jemand kommt und sagt, was alles machbar ist.

Außerdem muss ich sagen, ich liebe diese Selbstständigkeit sehr. Ich habe einen festen Rhythmus und bin für meine täglichen Abläufe allein verantwortlich. Wenn ich Hilfe brauche, dann bekomme ich diese von einem Ansprechpartner im MDK. Unser Team ist gemischt von Jung bis Alt. Die einen bringen viel an Erfahrung ein, die anderen bringen frischen Wind mit.
Das teilt sich ganz gut auf.

Ich arbeite von Montag bis Freitag und habe eine feste Urlaubsplanung, die auch zu 99 Prozent funktioniert. Obwohl ich keine Schichten mehr absolviere, verdiene ich dennoch mehr als zuvor.  Zusammenfassend habe ich beim MDK bessere Arbeits- und damit verbundene Lebensbedingungen. Es gibt regelmäßige Fortbildungen, für die ich mich anmelden kann. Die jährliche  Mitarbeitertagung in Wernigerode ist für alle Mitarbeiter eine wirklich sehr interessante Veranstaltung.

Alles in allem ist der MDK für mich ein Arbeitgeber, für den ich einstehen kann. Er hat mir eine Chance geboten, mit der ich sehr zufrieden bin.

Ich erstelle Gutachten, Höherstufungsanträge, Wiederholungsbegutachtungen und Widersprüche im Hausbesuch. Außerdem bearbeite ich Aktenlagen wie zum Beispiel zusätzliche Leistungen der Tages- und Nachtpflege und Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen.

Von den Verwaltungsmitarbeitern aus der zentralen Auftragskoordinierung (ZAK) bekomme ich eine Woche im Voraus meine Termine. Das sind im Schnitt vier bis fünf Gutachten am Tag. Um acht Uhr fängt der erste Hausbesuch an. Vorher bereite ich mich im Homeoffice auf die Hausbesuche vor. Ich fahre zu den Versicherten in den jeweiligen Haushalt, zu den Pflegeeinrichtungen, zum ambulant betreuten Wohnen oder zu Behinderteneinrichtungen. Also immer persönlich vor Ort, in der individuellen Lebenssituation. Wenn ich dann nach meinen Hausbesuchen nach Hause komme, meist zwischen 14 Uhr und 15 Uhr, stelle ich die Gutachten aus den taggleichen Hausbesuchen fertig. Als Pflegegutachter ist man in der täglichen Arbeit eher ein Einzelkämpfer. Ich sehe  das aber nicht als Nachteil. Ganz im Gegenteil, ich kann in meiner Arbeit sehr selbstständig agieren und meine Arbeitszeit nach den Hausbesuchen sehr flexibel gestalten. Es wird darauf Wert  gelegt, dass wir untereinander trotzdem in einem engen Austausch stehen. Durch die Teamleiter werden regelmäßige Teamtreffen organisiert. Aber unsere Teamleiter sind auch außerhalb der Teamtreffen immer zu erreichen, wenn es doch mal kurzfristig Dinge zu klären gibt.

Eine Begutachtung beginnt natürlich immer mit einer Begrüßung. Ich stelle mich vor, erkläre, dass ich im Auftrag der Pflegekasse komme, um den Antrag auf den Pflegegrad einschätzen zu können. Danach erkläre ich jedem, wie die Begutachtung ablaufen wird. Als erstes schauen wir, was alles vorhanden ist. Da werden Fremdbefunde aufgenommen, die Krankenhausberichte, Schwerbehindertenausweise oder die Pflegedokumentation. Dann folgt die Anamnese. Hier werden Informationen aufgenommen, die begründen, warum ein Pflegeantrag gestellt wurde, wie z.B. Stürze, große Brüche, Infarkte.

Nachdem die Anamnese beendet ist, werden die Hilfsmittel erfasst, die schon vorhanden sind und geklärt, ob diese selbst genutzt werden können oder nicht. Danach wird die ambulante Wohnsituation aufgenommen und besprochen, welche Personen pflegen. Mitunter stehen Angehörigen Rentenansprüche zu, wenn sie mindestens zehn Stunden von zwei Tagen in der Woche  nachweislich pflegen. Dann wird das ambulante Wohnumfeld aufgenommen, um evtl. Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen anzuregen. Sind Stufen oder Barrieren vorhanden oder eine  bodengleiche Dusche etc.?

Dann findet die Befundaufnahme statt, das heißt, wir nehmen auf, welche Fähigkeiten kognitiv-physisch vorhanden sind. Welche Bewegungen sind möglich, wie ist der körperliche Zustand, wie ist die Gedächtnisleistung, wie kommen sie zurecht? Können sie zum Beispiel die Körperpflege noch kognitiv umsetzen? Das können beispielsweise demente Patienten nicht mehr ohne Hilfe. Sie fangen an, Zahnbürsten zu nehmen und sich damit die Haare zu kämmen. Daraus kann notwendiger Interventionsbedarf abgeleitet werden. Danach erfolgt die Diagnose. Das heißt, wenn jemand Bluthochdruck hat, ist das keine Pflegebedürftigkeit. Bei Krebsleiden oder irgendwelchen Brüchen ist das wieder anders. Dann erfolgt die Bewertung der Module. Die gebe ich in mein Computerprogramm ein und komme dann zu meiner Pflegegradentscheidung. In diesem Programm gibt es Module von 4.1 bis 4.6. In diesem Teil zur Mobilität, zu kognitiv-psychischen Erkrankungen, zur Alltagsbewältigung, zur Behandlungspflege und zu Verbänden etc. werden dann die Punkte im Programm verteilt und der Pflegegrad ermittelt.

Zum Schluss erfolgt noch die Empfehlung für Heilmittel oder Hilfsmittel, zum Beispiel Physiotherapie, Ergotherapie oder sogar eine Prüfung zur Rehabilitation. Dann erarbeite ich Vorschläge für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen wie Entfernung von Türschwellen oder den Umbau zu einer bodengleichen Dusche.

Den Rest des Gutachtens mache ich im Homeoffice und bereite alles für den nächsten Tag vor. Mit dem Auto bin ich von Montag bis Freitag in Dessau-Roßlau und in der näheren Umgebung unterwegs.

Meine Aufgabe als Gutachter ist es, in der Begutachtungssituation individuelle und kognitive Ressourcen herauszufinden, die mögliche Selbstständigkeit der Antragstellenden einzuschätzen und die Pflegebedürftigkeit zu bestimmen. Diese Einschätzung erfolgt unabhängig von äußeren Faktoren, Einflüssen oder einer persönlichen Sichtweise. Ich sehe mich sozusagen als verlängerten Arm des Gesetzes. Ich treffe keine Entscheidung, sondern wende das Gesetz an, um der Pflegekasse eine gutachterliche Empfehlung auszusprechen.

Ja. Ich bewerte nicht nach dem, was ich empfinde, sondern anhand dessen, was ich bei der Begutachtung erfasse.

Ich arbeite ich für alle nach dem gleichen Prinzip. Die gesetzlichen Pflegekassen sind der Auftraggeber. Ich unterliege der Richtlinie des Gesetzes, wodurch meine Empfehlungen auf fachlicher und neutraler Basis beruhen.

Die Kranken- und Pflegekassen erhalten durch die Erstellung des Gutachtens Empfehlungen, danach erfolgt durch die Kranken- und Pflegekassen eine interne Überprüfung. Hier gibt es keine Rückmeldung an uns. Doch bei allen Hausbesuchen, die ich ein zweites Mal anfahre, ist es mir noch nie passiert, dass meinen Empfehlungen nicht nachgegangen wurde.

Eine freundliche Begutachtungsatmosphäre, ich konnte jemandem durch meine Beratung weiterhelfen, pünktlich Feierabend.

Da ich Erfahrungen aus dem Klinikum und der Pflegetätigkeit habe, kann ich viele Dinge aus der Praxis besser nachvollziehen. Mit dem Einbringen meiner Erfahrung kann ich viele Pflegesituationen nachempfinden und einschätzen. Oft sagen die älteren Leute, dass alles noch klappt. Wenn ich dann ein bisschen nachhake, können gewisse Unannehmlichkeiten zum Vorschein kommen, die der Antragsteller gerne für sich behalten hätte. Die sind aber wichtig für die Ermittlung des Pflegegrades. Dazu brauche ich mein Hintergrundwissen als Pfleger.

Es ist zwingend erforderlich, aus der aktiven Pflege zu kommen. Als Gutachter muss man auch sehr kommunikativ sein, denke ich. Ich bin sehr freundlich in den Gutachten und muss aber Grenzen ziehen und jedem Schicksal angemessen begegnen können. Man darf sich auch nicht bereden lassen. Man muss sehr selbstständig arbeiten wollen. Das definitiv. Ich glaube, man muss wirklich Selbstdisziplin aufbringen, um diese Selbstständigkeit zu leben.

Alles in allem denke ich, dass Erfahrung in der Pflege, ein sehr gutes fachliches Wissen, ein sicheres Auftreten und Selbstdisziplin wichtig für die Arbeit sind. Ein wichtiges Kriterium ist die fachliche Beratung und die menschliche Nähe in der Pflegebegutachtung zu bewahren.

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MDK Sachsen-Anhalt e. V.
Fachbereich Personal/Recht/Kommunikation
Postfach 36 46
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0391 5661-3320

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